24 Stunden für Sie da

Zentrale Notaufnahme Kontakt und Informationen

Unsere Leistungen

Krankenhäuser und Praxen zu den Fachärzten

Termine im Überblick

Vorträge, Feste & Fortbildungen zum Veranstaltungskalender

Um die Videos auf dieser Seite abspielen zu können, müssen Sie die Analyse / Statistiken-Cookies akzeptieren.

Cookie-Zustimmung ändern

Vorsicht Engpass: Die stille Gefahr der Halsschlagader

23.07.2025

Rund 30.000 Schlaganfälle im Jahr sind auf eine Engstelle in der Halsschlagader zurückzuführen. Zahlreiche Hirnschläge könnten verhindert werden, wenn die Gefäßveränderungen frühzeitig behandelt würden – meint auch Dr. Alexander Kunold.

Beim Siegener Forum Gesundheit, organisiert von der Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie in Südwestfalen, referierte der Facharzt für Gefäß- und Herzchirurgie vor rund 50 Interessierten in der Cafeteria des Diakonie Klinikums Jung-Stilling in Siegen. Dabei gab der geschäftsführende Oberarzt der Klinik für Gefäßchirurgie einen Überblick über die Anatomie der Halsschlagader, mögliche Symptome bei einem akuten Verschluss und erläuterte, warum die Therapie vor allem vom Grad der Verengung abhängt.

Die Halsschlagader, Arteria carotis communis, entspringt rechts aus einem Abzweig des Aortenbogens und geht links direkt aus der Aorta hervor. An der Carotisgabel teilt sie sich dann in ihre beiden Hauptäste auf – die innere Halsschlagader und die äußere Halsschlagader. Weil sie fast die gesamte Kopf-Hals-Region, inklusive einen großen Teil des Zentralen Nervensystems mit Blut und Sauerstoff versorgt, ist die Halsschlagader eine der wichtigsten und größten Strukturen im menschlichen Körper. „Ablagerungen an der Innenwand der Halsschlagader sind vor allem deshalb tückisch, weil sie zunächst keine Beschwerden verursachen. Sie bleiben lange unbemerkt und werden häufig durch Zufall bei einer Routineuntersuchung beim Hausarzt oder Kardiologen mittels Ultraschall entdeckt“, erzählte Dr. Kunold. „Das Risiko steigt mit dem Alter“, so der Mediziner. So hätten etwa sechs bis acht Prozent der über 65-Jährigen eine Einengung der Halsschlagader, auch Carotisstenose genannt. Bei den über 70-Jährigen seien es dagegen schon 18 Prozent. Neben dem Alter sind weitere Risikofaktoren für Gefäßverkalkungen Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Diabetes und vor allem Rauchen. Schreiten die krankhaften Verengungen an der Gefäßwand fort, steigt das Risiko für einen Schlaganfall. „Die Engstelle drosselt dann entweder den Blutfluss so stark, dass die zu versorgende Hirnregion nicht mehr genug Blut und Sauerstoff erhält, oder ein Teil der Ablagerungen löst sich und verschließt ein Hirngefäß.“ Wenn eine Verengung der Halsschlagader Symptome verursacht, können sie entweder eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns sein (TIA) oder ein Schlaganfall. Eine sogenannte Transitorische ischämische Attacke, kurz TIA, ist ein Vorbote eines Schlaganfalls – ein sogenannter Warnschuss im Gehirn. „Typische Symptome sind unter anderem kurzzeitige Sehstörungen, Sprachstörungen oder Lähmungserscheinungen. Aber auch unspezifische Symptome wie Schwindel oder Kopfschmerzen sind möglich. Hier sollten zuvor andere Ursachen ausgeschlossen werden“, erläuterte der Oberarzt.
Ablagerungen reduzieren den Durchmesser der Halsschlagader. „Der weitere Therapieverlauf hängt vor allem vom Grad der Verengung ab“, so Kunold. Ist das Gefäß durch Ablagerungen in seinem Durchmesser halbiert, fließt in der Regel noch ausreichend Blut ins Gehirn. Häufig kompensiert die gegenüberliegende Schlagader den Engpass sogar. „Bei Patienten, deren Gefäß zu etwa 50 Prozent verengt ist, die sonst kein erhöhtes Schlaganfallrisiko aufweisen und keine Symptome haben, leiten wir in der Regel konservative Therapiemaßnahmen ein, um das Schlaganfallrisiko zu senken.“ Dazu gehören beispielsweise Medikamente wie Statine, sogenannte Fettsenker oder Acetylsalicylsäure (ASS), um die Blutgerinnung zu hemmen. Falls erforderlich, werden auch Blutdruck- oder Blutzuckersenker verordnet. „Hinzu kommen jährliche Kontrolluntersuchungen, aber auch eine Änderung des Lebensstils mit regelmäßiger körperlicher Aktivität, ausgewogener Ernährung und dem Verzicht auf Tabakkonsum, sind die Ziele, die wir gemeinsam mit den Patienten erreichen möchten.“


Bei einer höhergradigen Engstelle kommen auch operative Eingriffe infrage, um den Blutfluss zu verbessern und das Schlaganfallrisiko zu senken. Hier muss der behandelnde Arzt gemeinsam mit dem Patienten individuell entscheiden und die Risiken abwägen. Neben dem zugrundeliegenden Befund spielen zum Beispiel das Alter, etwaige Vorerkrankungen, aber auch, ob schon Symptome vorhanden sind oder nicht, bei der Entscheidung eine Rolle. Zeigt sich im Ultraschall eine hochgradige Einengung der Halsschlagader, erfolgt zur genauen Therapieplanung in der Regel zusätzlich eine Gefäßdarstellung mittels Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT). Zur Auswahl stehen dann die operative Therapie und die endovaskuläre Therapie mittels Stent. „Laut aktueller Studienlage ist die klassische Operation der Stent-Therapie überlegen“, sagte Kunold. Beide Therapiemethoden werden in der Klinik für Gefäßchirurgie am Diakonie Klinikum Jung-Stilling angeboten und individuell abgewogen. „Bei der Stent-Therapie führen erfahrene Ärzte über eine Punktion in der Leistenschlagader einen Katheter in Richtung des erkrankten Gefäßes ein und setzen dort eine Gefäßstütze (Stent) frei, die das Gefäß stabilsiert. Bei der Operation wird die Arterie über einen kleinen Schnitt am Hals dargestellt und eröffnet. Anschließend schält der Chirurg die Ablagerungen und die Gefäßwand aus. Nach Verschluss der Arteria carotis mit einem kleinen „Flicken“ (Patch) wird zur direkten Kontrolle noch im OP-Saal eine Gefäßdarstellung unter Röntgendurchleuchtung durchgeführt. Die Hirndurchblutung kontrollieren und überwachen während der gesamten Operation kontinuierlich Kollegen der Anästhesie. „Gegebenenfalls ist bei beidseitiger Carotisstenose die Einlage eines kleinen Röhrchens (Shunt) zur Aufrechterhaltung der Hirndurchblutung während des Eingriffs notwendig“, ergänzte der Mediziner.


Dr. Kunold hielt fest, dass die Wahl der Operationsmethode immer individuell gemeinsam mit dem Patienten abgewogen werde. Aus Sicht der Gefäßchirurgie sei die offene Operation aber das Mittel der Wahl. Nach der OP verbleiben Patienten wenige Tage in der Klinik. Die Nachsorge umfasst regelmäßige Ultraschallkontrollen, die Einnahme von Medikamenten und auch, in Verantwortung der Patienten, einen gesunden Lebensstil zu pflegen.

NotrufHome

Feuerwehr/Rettungsdienst: 112

Polizei: 110

Zentrale Notaufnahme: 02 71 3 33 45 13

Giftnotruf NRW: 02 28 1 92 40

Telefonseelsorge: 08 00 111 0 111