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Strukturierte Blutzuckerkontrolle als Kompass

13.05.2026

Um über aktuelle Handlungsempfehlungen zu Schwangerschaftsdiabetes zu informieren, hat die Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin des Diakonie Klinikums Jung-Stilling zu einer Fortbildung eingeladen.

 

Im Haus der Siegerländer Wirtschaft waren rund 120 regionale und überregionale Fachkräfte zu Gast, darunter Gynäkologen aus Praxis und Klinik, Hebammen und Pflegefachkräfte.

 

Professorin Dr. Tanja Groten, Leiterin der Klinik und Poliklinik für Geburtsmedizin der Uniklinik Köln, ist unter anderem auf die Betreuung von Schwangeren mit Diabetes spezialisiert. Sie erläuterte, dass weltweit 15 bis 20 Prozent aller Schwangeren von einem Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationsdiabetes genannt, betroffen sind. Die Stoffwechselstörung tritt oft erstmals in der Schwangerschaft auf und ist vorübergehend. Eine von Grotens Kernaussagen war, dass Betroffene als Risikoschwangere gelten und sie in Schwerpunktzentren, sogenannten Perinatalzentren, betreut werden sollten. Zudem stellte sie eine Studie vor, die besagt, dass ein kontinuierliches Glukosemonitoring (CGM) gegenüber der herkömmlichen Blutzuckerselbstmessung das Risiko für ein überdurchschnittlich hohes Geburtsgewicht beim Neugeborenen senken kann. Aufgrund der Echtzeit-Glukosewerte können auf diese Weise Lebensstil und Insulintherapie noch gezielter angepasst werden. Das Monitoring misst per Sensor im Unterhautfettgewebe den Gewebezucker rund um die Uhr und übermittelt Echtzeitdaten, unter anderem an Smartphones.

 

Markus Pingel, Chefarzt der Klinik für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin an der DRK-Kinderklinik in Siegen, beleuchtete weitere Risiken von Neugeborenen diabetischer Mütter – unter anderem die Unterzuckerung (Hypoglykämie) als häufige und klinisch relevante Komplikation bei Kindern. Anhand internationaler Schemata erläuterte der Chefarzt die strukturierte Blutzuckerkontrolle in den ersten sechs Wochen nach der Entbindung. Ferner ging er auf die Risiken der diabetischen Fetopathie ein. Das ist eine Entwicklungsstörung des Ungeborenen, verursacht durch einen schlecht eingestellten mütterlichen Diabetes. „Zu Komplikationen zählen hier insbesondere Atemnotsyndrome, Gelbsucht und Elektrolytstörungen“, so der Chefarzt. Er verwies auf die Wichtigkeit der engmaschigen und langfristigen Betreuung dieser Kinder, da bei ihnen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und einem gestörtem Zuckerstoffwechsel besteht.

 

Dr. Flutura Dede, Organisatorin des Siegener Pränatalsymposiums und Chefärztin der Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin im Diakonie Klinikum, stellte alltagsrelevante Tipps zur Betreuung von Schwangeren mit Diabetes vor. Sie betonte, dass eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Frauenärzten, Diabetologen, Geburtshelfern, Hebammen und Pflegekräften entscheidend für eine optimale Versorgung ist. Im Hinblick auf die Therapie spielt die Ernährungsumstellung mit ausgewogener, ballaststoffreicher Kost ebenso eine Rolle. Empfohlen wird eine tägliche Kohlenhydratzufuhr von etwa 170 Gramm, verteilt auf drei Haupt- und drei Zwischenmahlzeiten. „Auch die Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung“, sagte Dr. Flutura Dede. Experten raten an, moderate Bewegungen wie zügiges Gehen mindestens dreimal pro Woche in den Alltag zu integrieren. Ergänzend dazu ist die regelmäßige Blutzuckerselbstkontrolle essenziell – in der Regel viermal täglich (nüchtern sowie eine Stunde nach den Hauptmahlzeiten), bei Insulintherapie entsprechend häufiger. „Werden die Zielwerte nicht erreicht, kann eine Insulintherapie erforderlich werden. Diese wird individuell und unter Berücksichtigung der Belastung für die Schwangere angepasst“, so die Chefärztin. Leitlinien zufolge sollten Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes aufgrund möglicher Risiken für das Kind in Kliniken entbinden, in denen eine neonatologische Versorgung durch Kinderärzte sichergestellt ist. Dies gilt insbesondere für Schwangere mit insulinpflichtigem Schwangerschaftsdiabetes, für die eine Geburt in einem Perinatalzentrum der Level 1 oder 2 empfohlen wird.
 

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