24 Stunden für Sie da

Zentrale Notaufnahme Kontakt und Informationen

Unsere Leistungen

Krankenhäuser und Praxen zu den Fachärzten

Termine im Überblick

Vorträge, Feste & Fortbildungen zum Veranstaltungskalender

Um die Videos auf dieser Seite abspielen zu können, müssen Sie die Analyse / Statistiken-Cookies akzeptieren.

Cookie-Zustimmung ändern

Suchterkrankung: Selten geht es nur um den Konsum

07.08.2026

Hilfe bei Abhängigkeitserkrankungen bieten Beratungsstellen wie die Suchtberatung der Diakonie Soziale Dienste in Siegen. Beim Siegener Forum Gesundheit referierten Suchttherapeutin und Sozialarbeiterin Linda Altgeld und Sozialpädagogin und Psychologin Melanie Lück.

Eine Sucht bleibt häufig lange unentdeckt, denn oft entwickelt sie sich schleichend oder Betroffene halten sie aus Scham geheim. Abhängigkeitserkrankungen führen nicht nur zu schwerwiegenden gesundheitlichen Komplikationen, auch soziale Probleme, finanzielle Sorgen und Krisen im persönlichen oder familiären Umfeld können mit einer Sucht einhergehen. Hilfe in solch schwieriger Situation bieten Beratungsstellen wie die Suchtberatung der Diakonie Soziale Dienste in Siegen. Beim Siegener Forum Gesundheit, organisiert von der Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie in Südwestfalen, referierten nun Suchttherapeutin und Sozialarbeiterin Linda Altgeld und Sozialpädagogin und Psychologin Melanie Lück und stellten ihre wichtige Arbeit vor.


Die Referentinnen machten deutlich, dass Suchtberatung weit mehr umfasst als Gespräche über Alkohol- oder Drogenkonsum. „Selten geht es nur um den Konsum“, erläuterte Linda Altgeld. Menschen, die sich an die Beratungsstelle wenden, brächten häufig ein ganzes Bündel an Problemen mit: Konflikte in Partnerschaft und Familie, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, finanzielle Sorgen, psychische Belastungen oder gesundheitliche Folgen der Abhängigkeit. Die Suchtberatung fungiere deshalb als „Knotenpunkt“, an dem unterschiedliche Problemlagen zusammengeführt, eingeordnet und passende Hilfen vermittelt werden. Anhand einer Fallvignette schilderten die Referentinnen die Situation eines Mannes mittleren Alters, der sich aufgrund drohender Trennung, beruflicher Probleme, Schulden und gesundheitlicher Beschwerden erstmals Hilfe suchte. Das Beispiel verdeutlichte, wie eng Suchterkrankungen mit anderen Lebensbereichen verknüpft sind und wie vielfältig die Unterstützung durch die Beratungsstelle ausfällt.


Zum Angebot der Suchtberatung der Diakonie Soziale Dienste gehören Einzel- und Angehörigenberatungen, Paar- und Familiengespräche, die psychosoziale Begleitung substituierter Menschen, Angebote für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien sowie verschiedene Gruppenangebote. Die Probleme der Klienten reichen von Alkohol- und Medikamentenmissbrauch über legale und illegale Drogen bis hin zu pathologischem Glücksspiel, problematischem Kaufverhalten und Medienkonsum. „Die Beratung erfolgt individuell, ergebnisoffen und ohne Vorverurteilung“, machte Linda Altgeld deutlich. Neben der Unterstützung bei der Bewältigung der Suchterkrankung gehe es auch darum, gemeinsam Ziele zu entwickeln, Motivation für Veränderungen aufzubauen und Betroffene bei der Stabilisierung ihres Alltags zu begleiten. Darüber hinaus übernimmt die Beratungsstelle eine wichtige Lotsenfunktion. Sie vermittelt unter anderem in Entgiftungs- und Rehabilitationsmaßnahmen, an Selbsthilfegruppen, Psychotherapien, Schuldnerberatungen oder weitere soziale Hilfsangebote. „Wir können den Betroffenen das Problem nicht abnehmen, aber begleiten, unterstützen und beraten“, betonte Melanie Lück. Gerade die enge Vernetzung mit anderen Einrichtungen sei ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Hilfen. Wie groß die Bedeutung ambulanter Suchtberatung ist, verdeutlichen aktuelle Zahlen: Bundesweit wurden im Jahr 2024 mehr als 323.000 ambulante Betreuungen in 878 Einrichtungen dokumentiert.


Dass diese Arbeit wirksam ist, belegen verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen. Die Referentinnen stellten unter anderem Ergebnisse einer Studie zur gesellschaftlichen Wertschöpfung von Suchtberatungsstellen vor. Demnach können durch frühzeitige Beratung und Begleitung erhebliche Folgekosten vermieden werden, etwa durch die Verhinderung von Arbeitsplatzverlust, Überschuldung, Wohnungslosigkeit, familiären Krisen oder stationären Behandlungen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass jeder in die Suchthilfe investierte Euro ein Vielfaches an gesellschaftlichen Folgekosten einspart. Neben diesen messbaren Effekten verbessere sich vor allem die Lebensqualität der Betroffenen. Viele Klienten berichteten von mehr Zuversicht, einer stabileren Lebenssituation und einer höheren Zufriedenheit mit ihrem Alltag. Besonders geschätzt würden die niedrigschwelligen Angebote, die einfühlsame Begleitung sowie die Begegnung auf Augenhöhe. Gleichzeitig verwiesen Altgeld und Lück auf die Herausforderungen, vor denen die Suchthilfe steht. Steigende Fallzahlen, zunehmend komplexe Problemlagen und lange Wartezeiten in der psychotherapeutischen und psychiatrischen Versorgung führten zu einer hohen Belastung der Beratungsstellen. Dennoch bleibe die ambulante Suchtberatung ein unverzichtbarer Bestandteil der psychosozialen Versorgung.


Im anschließenden Austausch nutzten die Besucher die Gelegenheit, Fragen zu stellen und mit den Referentinnen über aktuelle Entwicklungen, Hilfsmöglichkeiten und die Situation suchtkranker Menschen ins Gespräch zu kommen.
 

NotrufChatHome

Feuerwehr/Rettungsdienst: 112

Polizei: 110

Zentrale Notaufnahme: 02 71 3 33 45 13

Giftnotruf NRW: 02 28 1 92 40

Telefonseelsorge: 08 00 111 0 111