Mit Neuro-Navi und Nachsorge gegen den Hirntumor
Der Therapie und Nachsorge bei Hirntumoren nahm sich das jüngste „Siegener Forum Gesundheit“ an. Organisiert von der Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie in Südwestfalen, referierte dabei Dr. Sümeyye Topuz-Ceran im „Stilling".
Bei der Diagnose Hirntumor ist neben der individuellen Behandlung auch die Nachsorge entscheidend für den Therapieerfolg. Beim Siegener Forum Gesundheit im Diakonie Klinikum Jung-Stilling hat Dr. Sümeyye Topuz-Ceran verdeutlicht, dass zudem die Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche das Fundament für die bestmögliche Lebensqualität von Patienten bildet. Die Fachärztin der Neurochirurgie referierte in der Krankenhaus-Cafeteria. Den Vortragsabend organisiert hatte die Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie in Südwestfalen.
Dem Gehirn haben wir lebenswichtige Funktionen zu verdanken. Es verarbeitet unter anderem unsere Sinneseindrücke, steuert unsere Atmung, ermöglicht uns das Denken, Erinnern und Sprechen. Ein Hirntumor kann unser Verhalten und unsere Körperfunktionen beeinträchtigen. „Sechs von 100.000 Einwohnern erkranken pro Jahr an einem Hirntumor.“ Mit diesen Zahlen leitete Dr. Sümeyye Topuz-Ceran ihren Vortrag ein. Ein Hirntumor ist eine Geschwulst im Schädel, die durch unkontrolliertes Zellwachstum entsteht. Der Tumor kann sich direkt im Gehirngewebe bilden oder aufgrund von Absiedlungen anderer tumorbefallener Organe entstehen. Lungen-, Brust- oder Hautkrebs sind hier häufig der Ursprung. Unterschieden wird zwischen gutartigen Tumoren (langsames Wachstum) und bösartigen Tumoren (schnelles Wachstum). Dr. Sümeyye Topuz-Ceran sagte: „Was alle Hirntumoren jedoch gemeinsam haben ist, dass sie unkontrolliert wachsen und auf gesunde Hirnstrukturen drücken oder sie verändern.“ Die ersten Anzeichen fallen oft unspezifisch aus – und reichen von Kopfschmerzen über epileptische Anfälle bis hin zu Seh-, Sprach- oder Gleichgewichtsstörungen. „Aufgrund der unklaren Symptome müssen wir auf Ursachenforschung gehen“, so die Fachärztin. Neben einer Anamnese und körperlichen Untersuchung zählen bildgebende Verfahren per Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) sowie nuklearmedizinische Untersuchungen zu den diagnostischen Maßnahmen.
Ist die Diagnose gesichert, so wird – je nach Typ und Lage des Tumors und dem allgemeinen gesundheitlichen Zustand der Patienten – die Therapie individuell geplant. Eine Operation steht häufig an erster Stelle, gegebenenfalls mit anschließender Strahlen- oder Chemotherapie. Um bei einem chirurgischen Eingriff den Tumor vom gesunden Gewebe abzugrenzen und ihn schonend zu entfernen, kommt modernste Technik zum Einsatz: „Wir nutzen die computergestützte Neuronavigation, Ultraschall oder die Fluoreszenzmethode für präzise und patientenschonende Eingriffe.“ Mit dem Verfahren der Neuronavigation werden präoperative MRT- und CT-Bilder während der Operation in Echtzeit auf den Patienten projiziert. „So sehen wir, wo genau wir im Gewebe die OP-Instrumente steuern.“ Dem Eingriff schließt sich für eine engmaschige Überwachung ein Aufenthalt auf der Intensivstation an. Auf der Normalstation geht es dann weiter mit der Frührehabilitation. Auf dem Programm stehen Krankengymnastik sowie auch gegebenenfalls logopädische Therapien. Nach einer feingeweblichen Untersuchung des herausoperierten Tumors wird die Anschlussbehandlung geplant. „Viele Patienten berichten, dass sie nach der OP im Alltag eingeschränkt sind und Aufgaben abgeben müssen. Wichtig ist, dass sie offen darüber sprechen und Hilfe annehmen.“ Im Hinblick auf Unterstützungsangebote wies die Neurochirurgin unter anderem auf die psychosoziale Beratung hin – und stellte dem Publikum Psychoonkologin Anja Hairson-Klein vor, die den Besuchern mitteilte: „Seelische Belastungen sind bei einer Tumorerkrankung oft unvermeidlich. Helfen kann es, Gefühle und Gedanken auszusprechen. Dafür sind wir während des stationären Aufenthaltes und auch danach für die Patienten da.“ Die Psychoonkologen stehen im engen Austausch mit den Ärzten und unterstützen Betroffene unter anderem mit Einzelgesprächen und Beratung. Zudem vermitteln sie zu weiterführenden Hilfen wie Psychotherapie und Selbsthilfe. Zur Nachsorge einer Hirntumor-Behandlung zählen darüber hinaus neurologische Rehabilitationsmaßnahmen, Sozialberatung, Verlaufskontrollen und der ärztliche Kontakt. „In unseren neuroonkologischen Sprechstunden begleiten wir Ärzte die Patienten auch nach einer Operation oder Chemotherapie“, so die Fachärztin. Warum ein Hirntumor entsteht, ist laut Dr. Sümeyye Topuz-Ceran noch unzureichend belegt: „Es gibt Studien, gesichert sind die Gründe aber noch nicht. Hier ist noch viel Forschungsarbeit vonnöten.“
