Freie Gefäße dank Katheter und Fräse
Um Blutgefäße von Ablagerungen zu befreien, setzt das Team der Gefäßchirurgie am Siegener Diakonie Klinikum moderne Kathetersysteme ein. In einem Schritt lösen und entfernen sie Kalk und Blutgerinnsel – auch aus künstlichen Gefäßen.
Die Behandlungstechniken sind seit rund sechs Jahren am Diakonie Klinikum im Einsatz – mit Erfolg: „Wir konnten damit bislang mehr als 500 Patienten behandeln – und beobachten, dass sie sich schnell besser fühlen. Zudem benötigen sie in 99 Prozent der Fälle keinen Stent, um das Gefäß weiterhin offen zu halten“, erläutert Dr. Meshal Elzien, stellvertretender Chefarzt der Gefäßchirurgie.
Eine motorbetriebene kleinen Fräse aus Edelstahl, die mit ihren fünf Kanten mehrere tausend Umdrehungen pro Minute macht: Wer sich jetzt gedanklich in einem Baumarkt befindet, dem sei gesagt, dass es hier nicht um das Verarbeiten von Holz, sondern um modernste Medizintechnik geht: Mit dem sogenannten Jetstream-System fräsen die Gefäßchirurgen am Siegener Diakonie Klinikum verkalkte oder verstopfte Blutgefäße wieder frei. Ob Patienten mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit) oder auch mit wiederkehrenden Verengungen in Bypässen und implantierten Stents: Das Verfahren, das über einen kleinen Hautstich durchgeführt wird, eignet sich für jene Menschen, bei denen die Arterien in den Extremitäten (vor allem Beine, seltener Arme) stark verengt sind.
Dr. Meshal Elzien ist am Ev. Jung-Stilling-Krankenhaus als stellvertretender Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie tätig. Er und Chefarzt Dr. Ahmed Koshty sowie alle Oberärzte der Fachabteilung besitzen die Zusatzqualifikation „Endovaskulärer Spezialist“. Der Titel bescheinigt ihnen die hohe Expertise im Bereich von minimalinvasiven Katheter-Eingriffen. Elzien beschreibt die Therapiemethode mit dem Jetstream näher: „Für das Verfahren ist nur ein kleiner Hautstich, meist an der Leiste, nötig. So erreichen wir mit dem Katheter nebst Fräse die Bein- und Beckenarterien, um sie zu behandeln.“ Unter lokaler Betäubung und per Röntgenkontrolle bohrt die Gefäßfräse mit rotierendem Bohrkopf Fett und Kalk an den Gefäßinnenwänden sanft weg. Die sich lösenden Partikel werden gleichzeitig über einen integrierten Sauger schonend aus dem Körper abgetragen. Elzien: „Klassische Methoden, wie das Aufdehnen von Gefäßen per Ballonkatheter, drücken Ablagerungen lediglich an die Gefäßwand. Mit dem Jetstream hingegen befreien wir die Arterien.“
Neben dem Jetstream gibt es einen weiteren „säubernden Helfer“, der noch vielseitiger zum Einsatz kommt –das sogenannte Angio-Jet-System. Damit können nicht nur Arterien, sondern auch Thrombosen (Blutgerinnsel) in den Venen sowie auch verschlossene künstliche Gefäße (Bypässe und Stents) behandelt werden. Bei diesem Verfahren kommt ebenso ein dünner Katheter zum Einsatz, der beispielsweise in die betroffene Vene bis zum Blutgerinnsel vorgeschoben wird. Über die Katheterspitze spritzen Gefäßchirurgen ein gerinnungshemmendes Medikament in den Thrombus, um das Gewebe aufzuweichen. Mithilfe von Kochsalzlösung wird dann ein Unterdruck erzeugt, wodurch der Katheter die Gerinnsel-Stückchen nach außen absaugt. Unbehandelt behindern Blutgerinnsel den Blutfluss. Elzien: „Dann besteht die Gefahr für lebensbedrohliche Ereignisse wie eine Lungenembolie, ein akuter Herzinfarkt oder auch ein Gefäßverschluss.“
Ob Jetstream oder Angio-Jet: Wurden mithilfe der Systeme Gefäßablagerungen beseitigt, so folgt eine kurze Nachbehandlung. In der gleichen OP-Sitzung kommt ein medikamentenbeschichteter Ballon zum Einsatz, der einen Wirkstoff an die Gefäßwand abgibt – mit dem Ziel, erneuten Ablagerungen vorzubeugen. Behandelte Frauen und Männer können ein paar Stunden nach dem Eingriff wieder aufstehen und das Krankenhaus nach wenigen Tagen wieder verlassen. Der stellvertretende Chefarzt hebt besonders hervor, dass die Methode bei fast jedem Patienten – selbst in höherem Alter und auch bei schweren Gefäßverengungen – anwendbar ist.
Das gefäßchirurgische Team kann im „Stilling“ für minimalinvasive Behandlungen wie diese auf zwei Hybrid-Operationssäle zurückgreifen, die mit modernsten Röntgenanlagen ausgestattet sind. Um die Blutgefäße während des Eingriffs bildhaft darzustellen, nutzten die Fachleute jodhaltiges Kontrastmittel. Besteht gegen dieses eine Allergie oder liegt eine eingeschränkte Nierenfunktion vor, so ist laut Dr. Meshal Elzien die Gabe von Co2 eine sichere Alternative.
Für mehr Infos steht das Sekretariat der Gefäßchirurgie am Diakonie Klinikum Jung-Stilling zur Verfügung. Ansprechpartnerin ist Karina Leine unter Telefon 0271 333 4733 sowie per E-Mail an gefaesschirurgie.jsk@diakonie-sw.de.
