Ärzte schulen sich bei Chirurgie-Workshop
Harninkontinenz und Beckenbodensenkung: Wie breit gefächert das chirurgische Portfolio bei diesen Erkrankungen ist, hat das Team der Frauenklinik am Diakonie Klinikum Jung-Stilling in einem Masterclass-Workshop verdeutlicht.
Die Organisatoren Dr. Osama Shamia und Chefarzt Professor Dr. Marco Battista luden operativ tätige Gynäkologen von in- und extern zu Live-OPs ein, um sie in Sachen moderner Chirurgie-Techniken zu schulen.
Die Urogynäkologie beschreibt das urologische Feld der Gynäkologie, welches sich mit Erkrankungen des Beckenbodens beschäftigt. Hierzu zählen vor allem die Gebärmuttersenkung und die Harninkontinenz. Mit zunehmendem Alter steigt bei Frauen das Risiko für eine Bindegewebsschwäche. Diese kann dazu führen, dass Gebärmutter und Harnblase tiefer treten (Beckenbodensenkung). In manchen Fällen kann es zudem zu einem unwillkürlichen Harnverlust kommen (Harninkontinenz). Die beiden Erkrankungen können parallel oder einzeln auftreten. Dr. Osama Shamia ist in Kreuztal als niedergelassener Gynäkologe tätig. Ferner ist er Kooperationsarzt und Leiter der Urogynäkologie am Siegener Diakonie Klinikum. Bei dem dortigen Workshop mit Live-OPs nannte er aktuelle Zahlen: „Rund 30 bis 40 Prozent aller Frauen entwickeln eine Form der Senkung. Bei etwa elf Prozent von ihnen ist ein chirurgischer Eingriff nötig.“ Die Harninkontinenz tritt derweil bei 25 Prozent aller Frauen auf.
Im Rahmen des Workshops wurden sechs Patientinnen unter dem Einsatz von minimalinvasiven Methoden operiert. Darunter war eine Frau, der aufgrund einer Harninkontinenz ein schmales Band aus synthetischem Material unter die Harnröhre gelegt wurde, um diese zu stützen. Bei einer anderen Frau wurde die Gebärmutter mit einem Kunststoffband an festen Strukturen im Kleinbecken fixiert, um die Gebärmuttersenkung zu beheben. Eine weitere Patientin wurde wegen einer Darmsenkung behandelt. Über einen vaginalen Zugang wurde ihr ein spezielles Netzimplantat eingesetzt, um die Senkung zu korrigieren und die anatomischen Strukturen zu stabilisieren. Nach jeweils 20 bis 40 Minuten waren die sechs Eingriffe beendet und die Patientinnen konnten die Klinik nach drei Tagen verlassen.
Konservative Therapien wie medikamentöse oder physiotherapeutische Behandlungen können laut Dr. Shamia im Anfangsstadium einer Senkung und Inkontinenz zu einer Besserung der Beschwerden führen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kann eine Operation Abhilfe schaffen. Der Facharzt erläutert: „Wir können heutzutage auf verschiedenste Techniken zurückgreifen und binden bei der Planung eines Eingriffs die persönlichen Gegebenheiten der Patientinnen mit ein.“ Welche Methodik zum Einsatz kommt, hängt unter anderem vom Alter der Betroffenen, einem bestehenden Kinderwunsch, dem Wunsch nach einem Organerhalt und dem Schweregrad der Erkrankung ab. Ziel solcher Eingriffe ist es, die Beschwerden zu beheben sowie die normale Blasen- und Darmfunktion wiederherzustellen.
Für Betroffene gibt es in der Frauenklinik am Diakonie Klinikum Jung-Stilling seit 2005 eine spezielle Sprechstunde. Diese ist als Beratungsstelle der Deutschen Kontinenz Gesellschaft zertifiziert. Hier werden Patientinnen von Dr. Osama Shamia untersucht und behandelt.
Die Organisatoren freuen sich rückblickend über das positive Feedback der Workshop-Teilnehmer. Die externen Fachärzte reisten aus Köln und Iserlohn an. Eine Fortsetzung der urogynäkologischen Fortbildungsreihe ist geplant.
