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Ein Körper, mehrere Identitäten

28.07.2026

Katharina S. (Name geändert) leidet unter einer dissoziativen Identitätsstörung (früher: multiple Persönlichkeitsstörung). Mit Unterstützung der Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie in Südwestfalen möchte sie eine Selbsthilfegruppe gründen.

Das Kind in ihr sucht den Teddybären. Der Teenager in ihr lässt sie trotzig sein. Der Beschützer in ihr lässt keine Nähe zu Fremden zu. Die unterschiedlichen Charaktere beeinflussen das Fühlen, Denken und Handeln von Katharina S. Die 60-Jährige möchte sich mit sich mit Menschen austauschen, die ebenso betroffen sind. „Es fällt mir schwer, meine Situation zu akzeptieren. Ich möchte erfahren, welche Wege andere Menschen einschlagen, um besser zurechtzukommen.“

 

Bei einer dissoziativen Identitätsstörung wechseln sich mehrere Identitäten in derselben Person ab. Die Charaktere legen verschiedene Verhaltensmuster an den Tag, die in der Regel nicht zu dem Betroffenen passen. Menschen mit dieser psychischen Erkrankung haben zudem fehlende Erinnerungen und fühlen sich vom eigenen Körper und der Umgebung oft entfremdet. Häufige Auslöser sind traumatische Erlebnisse im Kindesalter bis zum achten Lebensjahr. Die Ursachen reichen von psychischem, physischem und sexuellem Missbrauch bis hin zu Vernachlässigung und fehlenden Bezugspersonen und Rückzugsorten.

 

„Sie haben unterschiedliche Charakterzüge und Fähigkeiten“: So beschreibt Katharina S. die Identitäten, die in ihr leben. „Es passiert, dass ich mehrmals täglich meine Kleidung wechsle oder bei zu langen Wartezeiten in Arztpraxen in eine andere Persönlichkeit verfalle, dann einfach aufstehe und gehe.“ Über die vielen Persönlichkeiten in ihr redet Katharina S. in der dritten Person. Ist sie in ihrer Alltagsidentität, so spricht Katharina aus der Ich-Perspektive. „Es sind elf, die mir bekannt sind. Vielleicht befinden sich da aber noch mehr.“ Kommt eine der Persönlichkeiten zum Vorschein, so verändert sich laut der 60-Jährigen von der Mimik über die Gestik bis hin zum Wortschatz ihr Wesen. Alltägliche Situationen bringen sie an ihre Grenzen. Schon ein Einkauf im Supermarkt kann zur Herausforderung werden: „Da stehe ich ewig vor dem Süßigkeitenregal, weil das Kind in mir agiert und es sich nicht entscheiden kann, was es haben will.“ Für diese Persönlichkeit sind laut Katharina S. auch Spielsachen besonders attraktiv: „In einem Geschäft habe ich mich mal im obersten Stockwerk aufgehalten, um mir die Bauklötze anzuschauen. Und plötzlich fragte ich mich, was ich denn hier suche, denn ich habe ja eigentlich Höhenangst.“ Situationen wie diese zählen zu einem weiteren Phänomen der Identitätsstörung. Waltet in einem bestimmten Zeitraum einer der anderen Charaktere, so kann diese Phase für die Hauptperson zur Erinnerungslücke werden. „Ich war in dem Laden, ohne später zu wissen, wie ich dorthin gekommen bin.“ Katharina S. hat verschiedene Klinik-Aufenthalte hinter sich und möchte es endlich schaffen, besser mit der Situation umzugehen. Derzeit verlässt sie ihr Zuhause nur in Begleitung. Alleine einkaufen oder spazieren zu gehen mutet sie sich nicht zu. „Seit zwei Jahren gehe ich nicht mehr alleine raus. Es klappt einfach nicht. Ich bin ängstlich geworden.“ Zudem fehlt ihr jemand, der ihre Gefühlslage nachempfinden kann. Deshalb möchte die 60-Jährige eine Selbsthilfegruppe gründen, in der sich die Teilnehmer austauschen und gegenseitig unterstützen können. Interessierte melden sich bei der Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie Soziale Dienste unter Telefon 0271 / 5003  131 oder per E-Mail an Selbsthilfe@diakonie-sw.de.
 

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