Divertikel: Den Darm mit Ballaststoffen pflegen
Bei Divertikeln im Dickdarm gehen nicht wenige von einer gefährlichen Erkrankung aus. Dass es bei den Ausstülpungen nur in seltenen Fällen Grund zur Sorge gibt, das hat Thi Ngoc Bich Nguyen im Siegener Diakonie Klinikum erläutert.
Die Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie im MVZ Jung-Stilling referierte beim Siegener Forum Gesundheit und sagte: „Damit Divertikel erst gar keine Probleme bereiten, ist eine ballaststoffreiche Ernährung wichtig. Kommt es hingegen zu einer akuten Entzündung der Ausstülpungen, so muss der Darm geschont und auf leichte Kost gesetzt werden.“ Organisiert wurde die Veranstaltung von der Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie in Südwestfalen.
Divertikel bilden sich häufig bei Menschen, die genetisch bedingt ein schwaches Bindegewebe haben. Die Fachärztin erläuterte: „Divertikel stülpen sich durch muskelschwache Lücken von Hohlorganen.“ Sie sehen aus wie kleine Taschen und können im Magen, in der Speiseröhre und im Dünndarm vorkommen. In den meisten Fällen entstehen sie aber im Dickdarm. Das reine Auftreten von Divertikeln wird als Divertikulose bezeichnet. Hier haben Betroffene keine Symptome. Thi Ngoc Bich Nguyen sagte: „80 Prozent der Menschen, die Divertikel entwickeln, bleiben ihr Leben lang beschwerdefrei.“
Wenn sich die Ausstülpungen entzünden, so sprechen Mediziner von einer Divertikulitis. Zu typischen Anzeichen zählen Schmerzen im linken Unterbauch, begleitet von Durchfall oder Verstopfung, Fieber und Blähungen. Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination aus körperlicher Untersuchung, Labortests und bildgebenden Verfahren wie Ultraschall und CT. „Im akuten Stadium ist eine Darmspiegelung tabu. Der Darm muss sich zunächst beruhigen. Erst wenn die Entzündung abgeklungen ist, kann eine Koloskopie durchgeführt werden“, so die Fachärztin. Den Krankheitsverlauf der Divertikulitis unterteilen Mediziner in drei Stadien. Im ersten Stadium (unkomplizierter Verlauf) liegt eine lokale Entzündung eines oder mehrerer Divertikel vor, verbunden mit Bauchschmerzen und Veränderungen im Stuhlgang. Eine vorübergehende Schonkost mit Verzicht auf feste Nahrung, reichliche Flüssigkeitszufuhr und die Einnahme von Schmerzmitteln nach ärztlicher Absprache sind hier probate Maßnahmen. Beim zweiten Typ (komplizierter Verlauf) liegt eine schwerwiegendere Form vor, bei der sich Eiter in den Ausstülpungen bildet. Für die Therapie ist hier ein stationärer Aufenthalt mit Antibiotikagabe nötig. Je nach Fall wird ein chirurgischer Eingriff in Erwägung gezogen. „Bei einer solchen Operation wird der betroffene Teil des Dickdarms entfernt“, erklärte Nguyen. Bei der dritten Form der Divertikulitis handelt es sich um eine chronische Entzündung, die zu einer dauerhaften Veränderung des Gewebes wie zur Verengung des Darms oder Fistelbildung führen kann. Hier klagen Betroffene häufig über anhaltende Schmerzen und Veränderungen im Stuhlgang. Bei diesen Fällen sollte laut der Fachärztin ein operativer Eingriff mit Teilentfernung des Darms durchgeführt werden. Typ 4 der Divertikulitis liegt vor, wenn Divertikel bluten. Laut Nguyen stoppt eine solche Blutung meist spontan aufgrund der körpereigenen Blutstillung. Wenn nicht, was selten vorkommt, so kann eine Divertikelblutung endoskopisch, operativ oder radiologisch gestoppt werden.
Wer etwas tun möchte um Entzündungen von Divertikeln vorzubeugen, kann mit ballaststoffreicher Ernährung nachhelfen. 30 Gramm pro Tag sollten es laut Nguyen sein. Beispielhaft nannte sie Zahlen: „Drei Scheiben Vollkornbrot enthalten neun Gramm Ballaststoffe, ein Apfel vier Gramm und in 300 Gramm Gemüse – besonders in den Kohlarten – stecken acht Gramm. Abschließend gab sie den Tipp: „Am besten eignen sich Vollkornprodukte. Und essen Sie zu jeder Mahlzeit Obst und Gemüse.“ Zudem sorgen Getreide, Hülsenfrüchte und Nüsse für einen aufgelockerten Stuhl: „Das ist wichtig, weil der Druck, der im Dickdarm entsteht, die Entstehung von Divertikeln begünstigt.“ Zur Prävention zählt außerdem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, da Ballaststoffe wie Lein- oder Flohsamenschalen Wasser binden: „Trinken Sie über den Tag verteilt mindestens zwei Liter Wasser.“ Rotes Fleisch gilt es, so die Fachärztin, weitestgehend zu meiden (nicht mehr als 50 Gramm pro Tag), und es sollten täglich 30 bis 60 Minuten moderate Bewegung mit in den Alltag integriert werden.
