Diabetes in der Schwangerschaft: Risiko für Mutter und Kind
Sie kommt quasi über Nacht, ohne die sonst typischen Anzeichen, und kann gravierende Folgen haben: Die Rede ist vom Schwangerschafts- oder auch Gestationsdiabetes (GDM). Diesem Thema widmete sich ein Infoabend am "Stilling".
Dazu begrüßte Dr. Flutura Dede, Chefärztin der Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin, werdende Eltern in der Cafeteria des Krankenhauses.
Beim GDM handelt es sich um eine Störung des Blutzuckerstoffwechsels, die erstmals in der Schwangerschaft auftritt und nach der Geburt meist wieder verschwindet. „Durch den veränderten Hormonhaushalt wirkt das Insulin im Körper der Mutter oftmals nicht mehr so effektiv“, erläuterte die Medizinerin. Und die Zahlen der GDM-Patientinnen steigen, wie Dr. Dede weiter ausführte: Bei knapp 18 Prozent der Schwangeren wird ein Diabetes diagnostiziert. Ein Grund ist unter anderem das steigende Alter der Mütter. Aber auch Übergewicht, Ernährungsmangel oder familiäre Diabetes-Vorgeschichten begünstigen das Auftreten. Sonst typische Anzeichen der „Zuckerkrankheit“, wie starker Durst oder extreme Müdigkeit, gibt es bei GDM nicht. Auf ein Vorliegen können indes Harnwegsinfekte, eine gesteigerte Fruchtwassermenge, markantes Übergewicht des Ungeborenen oder auch Bluthochdruck der werdenden Mutter hindeuten.
Um herauszufinden ob ein GDM vorliegt, gibt es standardisierte Verfahren im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge. Zwischen der 24. und 27. Schwangerschaftswoche wird zunächst ein „kleiner“ Zuckertest angeboten, der unabhängig von Tageszeit und Nahrungsaufnahme durchgeführt wird. Beim Gynäkologen trinken die Patientinnen ein Glas Wasser mit einer Zuckerlösung. Nach einer Stunde werden die Blutwerte bestimmt. Liegen erhöhte Blutzuckerwerte vor, steht der Folgetermin zum „großen Zuckertest“ auf dem Programm. Für diesen muss die Schwangere nüchtern sein. Sie nimmt dann wieder eine Zuckerlösung (dieses Mal höher dosiert) zu sich. Drei Messungen erfolgen, die dem Mediziner anzeigen, ob ein Schwangerschaftsdiabetes vorliegt.
Ist dies der Fall, ist Handeln erforderlich. Denn: „Die Folgen für Mutter und Kind können gravierend sein“, so Dr. Flutura Dede. Der GDM kann eine Schwangerschaftsvergiftung begünstigen, zu Fehlgeburten führen oder die Entwicklung eines Langzeit-Diabetes begünstigen.
Als Therapie der Wahl gilt zunächst eine Ernährungsumstellung. „Schwangere dürfen auf keinen Fall hungern“, so die Medizinerin. Auf dem Speiseplan landen sollten Obst und Gemüse, gesunde Kohlenhydrate, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte – verteilt auf drei Haupt- und drei Zwischenmahlzeiten. Hinzu komme ein Bewegungsprogramm, wie etwa drei Mal 30 Minuten zügiges Spazierengehen in der Woche. GDM-Patientinnen werden zudem zur Blutzucker-Selbstkontrolle angeleitet. Zeigen diese Maßnahmen keine Wirkung, kann eine Insulintherapie erforderlich sein. „Diese Entscheidung muss allerdings streng geprüft werden“, so die Medizinerin. Wichtig sei gerade diesbezüglich die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Frauenärzten, Diabetologen, Hebammen und der Entbindungsklinik bei der Betreuung der Schwangerschaftsdiabetes. Ihr Rat: „Um eine optimale Versorgung des Kindes zu ermöglichen, wird empfohlen, dass alle werdenden Mütter mit Schwangerschaftsdiabetes in einer Klinik mit angeschlossener Kinderklinik oder Perinatalzentrum Level I gebären. Dies gilt unbedingt für insulinbehandelte Schwangere.“
Die gute Nachricht: Bei über 90 Prozent der Frauen ist der Schwangerschaftsdiabetes nach der Geburt verschwunden. Allerdings bestehe, so die Chefärztin, ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ II (Altersdiabetes). Deshalb sei es ratsam, die Ernährungsumstellung und das Bewegungsprogramm auch nach Geburt beizubehalten und eine Optimierung des Körpergewichts anzustreben.
