Altenpflege im Wandel der Zeit
Einen besonderen Begrüßungstag erlebten 15 neue Mitarbeitende der Diakonischen Altenhilfe Siegerland. Im Sophienheim gingen sie auf eine Zeitreise und konnten dabei nachspüren, wie sich die Altenpflege im Laufe der Jahrzehnte verändert hat.
Es riecht ein wenig nach gestern, vielleicht sogar nach vorgestern. Ein Hauch von Bohnerwachs, alte Möbel – heute schon fast wieder modern, gedämpftes Licht. Wer an diesem Morgen das Sophienheim in Siegen betritt, landet nicht sofort im Hier und Jetzt, sondern macht zunächst eine kleine Zeitreise. Der Einladung hierzu sind 15 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Altenhilfe der Diakonie in Südwestfalen gefolgt. Erwartungsvoll und neugierig finden sie ihren Weg ins Foyer, wo gedeckte Tische und eine Tasse Kaffee auf sie warten.
Benjamin Krusemark, Geschäftsführer der Diakonischen Altenhilfe Siegerland, betont in seinen Begrüßungsworten den Wert der Vielfalt: „Sie alle bringen unterschiedliche Erfahrungen mit, und genau diese Vielfalt macht uns aus.“ Ein Satz, der hängen bleibt. Vielleicht weil er mehr ist als ein Willkommensgruß, vielleicht weil er schon eine Richtung vorgibt. Krusemark spricht auch über Fehler. Ein ungewöhnlicher Einstieg, könnte man meinen. Aber er meint es ernst: „Fehler gehören dazu. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen.“ Offenheit statt Perfektion – auch das ist Teil der Kultur, in die die Neuen heute eintauchen.
Dann geht es los: Die Zeitreise beginnt. Pasquale Sting, Einrichtungsleiter des Sophienheims und damit quasi Hausherr der Veranstaltung, übernimmt die Rolle des Reiseleiters. Und er weiß, wovon er spricht. Es geht für die Gruppe quer durchs Sophienheim und die angrenzenden Gebäude und zugleich durch rund 75 Jahre Diakoniegeschichte im Siegerland. Und wer könnte diese Geschichte besser erzählen als Sting? Seine Mutter hat hier schon gearbeitet, er selbst ist quasi zwischen diesen Wänden groß geworden. Wenn er erzählt, dann ist das keine Theorie – sondern Erinnerung.
Die Gruppe folgt ihm durch das Haus und landet im Clubraum, einem Aufenthaltsraum ganz im Stil der 1960er-Jahre: niedrige, ockerfarbene Stühle und ein leichter Wachsgeruch in der Luft – ein Raum der Geschichte atmet. Im Nachbargebäude geht es dann durch ein enges Treppenhaus mit niedrigen Decken in den Keller hinunter. Neben den Wasseranschlüssen, die in einer Art Stollen liegen, kommt die Gruppe auch an einer alten Duschzelle vorbei: eng, funktional, ohne Fenster – heute kaum vorstellbar. Ein leises Lachen geht durch die Gruppe, als Sting diese mit einem Augenzwinkern als „damaligen Standard“ beschreibt. Hier im Kellergewölbe wird Geschichte nicht ausgestellt, sie ist noch da, wird greifbar: in den Wänden, im Geruch, in den Details. Und plötzlich wird klar: Pflege war nie statisch. Sie hat sich verändert, weiterentwickelt, ist gewachsen – genau wie die Menschen, die in ihr arbeiten.
Zurück in der Gegenwart wirkt das Foyer fast wie ein Gegenpol. Durch die Fenster scheint das warme, helle Sonnenlicht, frischer Kaffee und ein Frühstücksbuffet erwarten die Gruppe. Jetzt geht es ums Kennenlernen. Hier sitzt eine junge Frau direkt nach der Ausbildung, dort ein angehender Pflegefachmann. Und dazwischen Lebensgeschichten, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Jennifer Gerhard, die über die Pflege ihres Mannes den Weg in die Altenhilfe gefunden hat. Denise Stahl, die nach 21 Jahren im Krankenhaus bewusst einen neuen Schritt gewagt hat. Vielleicht ist auch das eine Art Zeitreise – nur eben eine ganz persönliche.
Später gibt es noch mehr Informationen mit Namen, Abteilungen und Ansprechpartnern. Personalabteilung, Mitarbeitervertretung, Qualitätsmanagement: Strukturen werden sichtbar, Zusammenhänge erklärt. Ralf Damjancic, koordinierender Praxisanleiter und Organisator des Begrüßungstages, spannt im Anschluss daran noch einmal den Bogen – angefangen von den Wurzeln der Diakonie in Deutschland bis hinein in die Gegenwart. Denn genau darum geht es an diesem Tag: Orientierung geben, Möglichkeiten aufzeigen, Gelegenheit zum Austausch bieten. Die Diakonie, so wird deutlich, versteht sich nicht nur als Arbeitgeber, sondern als Ort, an dem Entwicklung möglich ist.
Am frühen Nachmittag endet diese Zeitreise – oder hat sie gerade erst begonnen? Denn die neuen Mitarbeitenden verlassen das Sophienheim nicht nur mit Informationen im Kopf, sondern mit dem Gefühl, angekommen zu sein in einer Gemeinschaft, die sich ihrer Wurzeln und der Vergangenheit bewusst ist, die Gegenwart gestalten möchte und Perspektiven für die Zukunft bietet.
