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Kleines Organ mit großer Macht

30.11.2016

Dr. Andreas Müller informierte im Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen über Symptome, Diagnostik und Therapie bei Schilddrüsenkrankheiten.

„So klein und unscheinbar die Schilddrüse auch sein mag ─ sie bildet Hormone, ohne die wir nicht leben können“, sagte Dr. Andreas Müller, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, bei einem Vortrag im Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen. Funktioniert das 20 Gramm leichte Organ unterhalb des Kehlkopfes nicht richtig, zeigen sich unspezifische Symptome: Betroffene fühlen sich unwohl, sind nervös, schlafen unruhig oder sind niedergeschlagen. Halten die Beschwerden mehrere Wochen an, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Anhand einer Blutanalyse kann er abklären, ob eine Schilddrüsenfehlfunktion ursächlich ist. Per Ultraschall kann zudem die Größe oder Struktur des Organs bestimmt werden.

„Gibt es Anhaltspunkte für bösartige Knoten in der Schilddrüse oder drücken sie auf die Speise- oder Luftröhre, muss über eine Operation nachgedacht werden", so der Chefarzt. Von Knoten ist die Rede, wenn in der Schilddrüse Areale entstehen, in denen sich die Zellen des Organs unkontrolliert vermehren und/oder vergrößern. Folglich können Probleme beim Schlucken, Heiserkeit, Räusperzwang oder ein Druckgefühl am Hals entstehen.

Bei sogenannten kalten Knoten ist die Schilddrüse nicht oder nur teilweise fähig das Spurenelement Jod aufzunehmen. Dieses braucht sie jedoch, um Hormone zu produzieren, die die Leistungsfähigkeit, das Temperaturempfinden, das Herz-Kreislauf-System und die Psyche beeinflussen. Bei kalten Knoten könnte es sich um bösartige Veränderungen handeln. Insbesondere, wenn jüngere Menschen betroffen sind und beispielsweise nur ein einzelner kalter Knoten vorhanden ist. Müller empfahl, diesen operativ entfernen zu lassen. Denn in diesen Fällen kann sich dahinter ein Tumor verbergen.

Sogenannte heiße Knoten sind besonders aktive Bereiche in der Schilddrüse, die verstärkt Jod aufnehmen und unkontrolliert Hormone ausschütten. Dann liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor, die mit innerer Unruhe, starkem Schwitzen und Schlaflosigkeit einhergehen kann. Geschieht dies in einem bestimmten Schilddrüsenbereich, kann sich ein Knoten bilden. Um Schilddrüsenerkrankungen vorzubeugen, riet der Chefarzt auf eine vernünftige, aber nicht übertriebene Einnahme von Jod zu achten. „Gute Quellen sind Fisch wie Seelachs, Kabeljau und Scholle sowie jodiertes Speisesalz.“ Eine Überfunktion kann mit Medikamenten unterdrückt werden. Schilddrüsenblocker (Thyreostatika) regulieren dabei die Organfunktion. Auch eine Radiojodtherapie kann helfen. Bei dem Verfahren wird Patienten radioaktiv angereichertes Jod zugeführt. Dadurch werden die Bereiche, die zu viel Hormonaktivität zeigen, zerstört. Gesundes Schilddrüsengewebe wird dabei nicht geschädigt.

 Auch bei einer vergrößerten Schilddrüse kann diese Therapieform helfen. Denn bei Jodmangel kann es passieren, dass das Gewebe des Organs wächst, um die fehlenden Hormone auszugleichen. Folglich bildet sich ein Kropf ─ medizinisch Struma genannt. Vergrößert sich die Schilddrüse nach außen, wird der Hals dick ─ wächst sie nach innen, ist von außen oft nichts sichtbar. Kröpfe und Knoten können durch eine Ultraschalluntersuchung und ein Szintigrafie erkannt werden. Dies ist eine bildgebende Methode, bei der die Schilddrüsenfunktion durch ein radioaktives Arzneimittel sichtbar gemacht werden kann. Zudem kann eine winzige Zellprobe aus der Schilddrüse entnommen und in einem Speziallabor untersucht werden (Feinnadelpunktion). Bei einem Kropf optimieren Ärzte die Jod- und Hormonzufuhr zunächst mit Medikamenten. Wenn nötig, wird das Organ mit einer Radiojodtherapie verkleinert. Ist das nicht erfolgreich, können Chirurgen erkranktes Gewebe operativ entfernen.

Schilddrüsenfehlfunktionen können auch ohne Knoten auftreten. Bei einer Unterfunktion verlangsamt sich der Stoffwechsel, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nimmt ab. „Betroffene frieren, haben dünnes Haar, sind oft müde und haben Gleichgewichtsstörungen“, erklärte Müller. Selten ist die Krankheit angeboren, meist ist sie eine Folge von funktionsunfähigem Schilddrüsengewebe. Eine häufige Ursache ist die sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis ─ eine chronisch entzündete Schilddrüse. Hier liegt eine Immunreaktion vor, die das Organ auf Dauer zerstört. Damit der Körper wieder richtig funktionieren kann, muss das fehlende Schilddrüsenhormon als Medikament eingenommen werden.

Liegt eine Überfunktion vor, wobei der Stoffwechsel auf Hochtouren läuft, ist in rund 95 Prozent der Fälle die Krankheit Morbus Basedow ursächlich. Dabei greift auch hier die körpereigene Abwehr die Schilddrüse an und versucht sie zu zerstören. Folglich bildet sich eine Struma, um die fehlenden Hormone bereit zu stellen. Die Ursache der Basedowschen Krankheit ist nicht bekannt ─ möglicherweise ist sie familiär bedingt. Ein großer Teil der Patienten leidet dabei an stark hervortretenden Augen. Meist wird mit Medikamenten behandelt. Eine Schilddrüsenoperation oder eine Radiojodtherapie sind Alternativen.

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