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Organspende: Bereitschaft schriftlich festhalten

07.09.2018

Widmeten sich beim Siegener Symposium Organspende im Diakonie Klinikum Jung-Stilling medizinischen und ethischen Fragen von Organspenden (von links): Dr. Reiner Giebler, Ulrike Wirges, Dr. Georg Dieplinger, Hanni Peveling, Prof. Dr. Veit Braun und Ates Yueksel.

Wartezeiten auf lebensrettende Organspenden verkürzen, mehr Transplantationen realisieren, Transplantationsbeauftragte der Krankenhäuser in Entscheidungsprozesse einbeziehen – Themen, die beim Siegener Symposium Organspende im Diakonie Klinikum Jung-Stilling im Mittelpunkt standen. Rund 80 Besucher, darunter Ärzte, medizinisches Pflege- und Fachpersonal, Transplantationsbeauftragte sowie Interessierte, informierten sich im Hörsaal über Ablauf und Organisation von Entscheidungsprozessen für Organspende bis hin zur Transplantation.

Unter dem Titel „Quo vadis Organspende“ stellte Ulrike Wirges, geschäftsführende Ärztin bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation der Region Nordrhein-Westfalen (DSO), aktuelle Entwicklungen vor und skizzierte, wie Krankenhäuser das Thema Organspende angehen sollten. Prof. Dr. Veit Braun, Chefarzt der Neurochirurgie im Diakonie Klinikum Jung-Stilling, widmete sich der „Hirntoddiagnostik“. Den Ablauf einer Nierentransplantation erläuterte Dr. Georg Dieplinger, Chirurg im Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Köln. Ates Yueksel, der vor knapp einem Jahr eine neue Niere erhalten hatte, berichtete von der Zeit vor und nach der Transplantation. Hanni Peveling, Mutter eines Organspenders, schilderte, wie sie mit dem Verlust ihres Sohnes und seinem Wunsch, Organe zu spenden, umzugehen lernte. Das Symposium wurde vom Diakonie Klinikum Jung-Stilling und der Deutschen Stiftung Organtransplantation ausgerichtet. Dr. Reiner Giebler, Chefarzt der Anästhesiologie-, Intensiv- und Notfallmedizin, führte durch den Abend.

In Deutschland warten mehr als 10 000 Patienten auf eine lebensrettende Organspende. Obwohl zahlreiche Menschen bereit sind, nach dem Tod einen Teil ihres Körpers einem anderen Menschen zu schenken, scheuen sie sich davor, zu Lebzeiten eine Entscheidung zu treffen. „Transplantationsbeauftragte müssen mehr in die Therapieentscheidung am Lebensende eines Patienten einbezogen werden“, meinte Wirges. Sie müssten herausfinden, ob jemand eine Organspende wünscht oder gewollt hätte und für diese Gespräche entsprechend Freiraum bekommen. Die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geforderte Widerspruchsregelung bezeichnete Wirges als ein kleines Mosaik. „Eine mögliche Spende scheitert häufig am fehlenden Einverständnis des Patienten oder seiner Angehörigen“, erzählte Irene Schönhagen. Sie ist Transplantationsbeauftragte im Ev. Jung-Stilling-Krankenhaus und Oberärztin der Anästhesiologie-, Intensiv- und Notfallmedizin. Schönhagen betreut Angehörige von möglichen Spendern, plant und koordiniert notwendige Untersuchungen, trifft Absprachen mit der DSO und kümmert sich unter anderem um Fortbildungen für Pflege- und Ärzteteams. „Wer seine Organe spenden möchte, sollte seinen Willen zu Lebzeiten verschriftlichen und einen Organspendeausweis bei sich tragen“, betonte die Ärztin. Mit einem Ausweis hatte auch der Sohn von Hanni Peveling vorgesorgt. „Marc starb mit 37 Jahren an einem Hirnaneurysma.“ Als der Arzt die Familie auf das Thema Organspende ansprach, lehnte Peveling zunächst vehement ab. „In meiner Trauer war in diesem Moment kein Raum, um an eine Spende zu denken.“ Doch sie lernte damit umzugehen. Der Gedanke, dass vier Menschen durch die Spende ihres Sohnes eine neue Chance bekommen haben, war für sie ein Trost.

In Deutschland können ausschließlich Patienten zum Organspender werden, die einen irreversiblen Hirnfunktionsausfall erlitten haben, also umgangssprachlich hirntot sind. „Die Funktion von Groß- und Kleinhirn sowie Hirnstamm ist unwiderruflich erloschen“, erklärte Prof. Veit Braun. Gleichzeitig muss das Herz-Kreislauf-System bis zur Organentnahme künstlich aufrecht erhalten werden. „Wird ein Hirnfunktionsausfall diagnostiziert, muss die Untersuchung nach zwölf Stunden zur absoluten Sicherheit wiederholt werden oder eine Zusatzdiagnostik erfolgen“, so der Neurochirurg. Gibt es aus medizinischer Sicht keine Einwände mehr kommen spezialisierte OP-Teams. Auch Transplantationschirurg Dr. Dieplinger hat bereits mehrere Male im Ev. Jung-Stilling-Krankenhaus Organe entnommen.

Patienten unter 65 Jahren müssen im Schnitt sieben Jahre auf eine Niere warten. „Viele Nierentransplantationen werden nach Lebendspende durchgeführt. Dank minimal-invasiver Techniken, besteht für den Spender ein sehr geringes Risiko“, so der Chirurg. Im November operierte er Ates Yueksel und setzte ihm eine neue Niere ein. Dass Yueksel einmal auf eine Organspende angewiesen sein würde, hielt der 50-Jährige, der stets sportlich und trainiert gewesen sei, nie für möglich. „Warum ich“, fragte er sich immer wieder. Der Familienvater ist dankbar, hat die Transplantation gut überstanden und lebt mit der neuen Niere gut. Etwa ein Jahr muss er noch regelmäßig zur Kontrolle ins Universitätsklinikum Köln und wird parallel von einem niedergelassenen Nephrologen betreut.

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