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Künstliche Kiefergelenke: Seltene OP erstmals am Jung-Stilling-Krankenhaus

22.05.2017
Das Foto zeigt ein individuelles Kiefermodell, anhand dessen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg Professor Hell ablesen kann, wo Nerven verlaufen.

Erstmals in Siegen wurden einem Patienten im Diakonie Klinikum Jung-Stilling künstliche Kiefergelenke eingesetzt. Ein individuelles Modell des Kieferbereichs zeigt Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg Professor Berthold Hell, wo Nerven verlaufen.

Erstmals hat Professor Berthold Hell einen in Deutschland gleichermaßen komplizierten wie äußerst seltenen Eingriff gewagt: das Einsetzen von künstlichen Kiefergelenken. Acht Stunden operierte der Chefarzt der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie im Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen einen 23-jährigen Patienten, der vor neun Monaten aus großer Höhe gestürzt war und sich dabei den Gesichtsschädel und den Kiefer nebst Gelenken mehrfach gebrochen hatte. „Das Gesicht war regelrecht zertrümmert“, sagt Professor Hell.

Das Team von Hell versorgte einen Großteil der Verletzungen kurz nach dem Unfall und stellte das Gesicht in einer aufwendigen Operation wieder her. Bei den Kiefergelenken sah das anders aus. Sie waren derart zerstört, dass eine Rekonstruktion unmöglich war. In der Folge wuchsen die Bruchstücke der Gelenke mit der Schädelbasis zusammen. „Ankylose“ (Verknöcherung des Gelenks) nennen Mediziner diesen Prozess. Wo sich normalerweise der Gelenkkopf in der Gelenkpfanne bewegt und es ermöglicht, den Mund zum Sprechen, Essen oder Gähnen zu öffnen, entwickelte sich ein unbewegliches knöchernes Gebilde. Für den Patienten hieß das: Es war für ihn nicht möglich, seinen Kiefer zu bewegen. „Er konnte seinen Mund nicht einen Millimeter weit öffnen“, schildert Professor Hell. Statt Fleisch, Gemüse oder Nudeln hätte somit dauerhaft  Flüssignahrung auf dem Speiseplan gestanden – denn an Kauen war nicht zu denken. Neue Kiefergelenke waren die einzige Chance des jungen Mannes, um in seinen Alltag zurückzufinden.

Aufwendig plante Professor Hell mit seinen Mitarbeitern die Operation am Computer. Grundlegend dafür waren detaillierte Daten und Röntgenbilder aus der Computertomographie. So entstanden individuelle und passgenaue Entwürfe für die Gelenkpfannen und die Gelenkköpfe. Gefertigt wurden die Implantate in den USA. „Die Gelenkpfanne ist aus einem speziellen Kunststoff, der Gelenkkopf aus Metall“, erklärt Professor Hell. Das Besondere an dem ohnehin seltenen Eingriff: Der Chirurg setzte beide Gelenke in nur einer Operation ein. Zunächst entfernte er das verknöcherte Gelenk, um Platz zu schaffen und bereitete den Kiefer mit Hilfe von Schablonen auf die Implantate vor. Dann setzte er Gelenkpfanne und -kopf ein und verschraubte diese mit dem restlichen Kiefer und der Schädelbasis. Nach dieser Operation ist die Beweglichkeit wiederhergestellt. Zwar wird es eine Weile dauern, bis der Patient seinen Mund wieder weit öffnen und zubeißen kann. Wenn der Heilungsprozess gut verläuft, wird er dann aber keine Einschränkungen mehr haben. „Die Voraussetzungen dafür sind jetzt da“, sagt Professor Hell. „Der Rest ist Training.“

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