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Am Lebensende auf Persönlichkeit blicken

12.06.2017

Tauschten sich im Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen darüber aus, dass bei sterbenden und dementen Menschen auf mehr als nur den medizinischen Befund geachtet werden sollte (von links): Sebastian Schreiber, Margit Völzing, Peter-Thomas Stuberg, Prof. Dr. Annelie Keil, Gabriele Hermann, Dr. Mathias Scheer und Andrea Schäfer-Bottenberg.

Sterbende Menschen fühlen, denken und verhalten sich nicht alle gleich. Wichtig ist, auf ihre Lebensgeschichten zurück zu blicken und in Dementen mehr zu sehen, als nur ihren diagnostischen Befund. Worte der Bremer Sozial- und Gesundheitswissenschaftlerin Prof. Dr. Annelie Keil, die vor rund 70 Besuchern im Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen einen lebhaften Vortrag gehalten hat. Veranstalter war die Abteilung Qualität und Gesundheit der Diakonie in Südwestfalen.

„Die Frage nach dem Sinn des Lebens beantwortet sich erst in seinem Prozess“, sagte die 78-Jährige. In Krisen ist es elementar, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse wichtiger zu nehmen. „Wenn ein Mensch nur noch funktioniert, macht das, wofür er funktioniert, keinen Sinn mehr“, so die Professorin. Dabei gilt es herauszufinden, was einem selbst gut tut und dies ins eigene Leben zu integrieren. „Es gibt keine Gebrauchsanweisung, um die eigene Biographie zu gestalten.“ Keil machte bewusst, wie wichtig die Lebensgeschichte von Sterbenden ist. Anhand diverser Beispiele machte sie deutlich, dass je nach Persönlichkeit unterschiedlich mit ihnen umgegangen werden sollte.

Keil erzählte von einem Mann, den sie im Hospiz begleitete. Dieser hatte in seinem Zimmer stets Ölsardinendosen, seine Zuckerschale musste immer gefüllt und das Radio Tag und Nacht eingeschaltet sein. Erst so fühlte er sich wohl. Der Grund dafür war, dass er als kleiner Junge in ein Konzentrationslager kam, dort hungerte und sterbende Menschen sah. Den Zucker benötigte er als Energie, das Öl der Sardinen als Lebenselixier und die Stimmen aus dem Radio, um sich nicht alleine zu fühlen. Auch mit einer Dame, die vor Freude weinte, weil sie täglich im Hospiz ihr Leibgericht erhielt, machte Keil den Tod aus einer anderen Perspektive sichtbar. „Sterbende haben noch Bedürfnisse. Das sollte stets in der Palliativ- und Hospizpflege beachtet werden.“ Bei Demenz, sagte Keil, versuchen Menschen aus aller Kraft ein Stück ihrer Selbstbestimmung aufrechtzuerhalten. Demente zu respektieren, mit mehr Gelassenheit an sie heranzugehen und sie nicht zu bevormunden, ist maßgebend. „Schreiben Sie ihr Lieblingsgericht auf die Patientenverfügung, falls Sie eines Tages nicht mehr verstanden werden“, schmunzelte Keil. Denn eine schwere Krankheit hat zwei Seiten ─ den objektiven medizinischen Befund und das subjektive Befinden der Betroffenen. Über diese Wechselbeziehung wurde in einer Talkrunde diskutiert. Moderiert von den Organisatoren Andrea Schäfer-Bottenberg und Sebastian Schreiber, tauschten sich Fachleute der Region aus verschiedenen Berufsfeldern aus. Der Siegener Internist und Diabetologe Dr. Mathias Scheer verdeutlichte: „Nahezu jeder Mensch hat mindestens einmal eine Erkältung gehabt. Der Befund ist in aller Regel ähnlich. Das Befinden kann jedoch unzählige Facetten aufweisen.“ Für Gabriele Hermann von der Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie in Südwestfalen ist ein Befund der Auslöser, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen, um dort sein Befinden durch Gespräche mit Gleicherkrankten zu stärken. „Ist ein Mensch permanent unzufrieden, kann dies zu psychischen Erkrankungen führen, was sich wiederum auf einen Befund auswirken kann“, sagte Peter-Thomas Stuberg, Superintendent des Ev. Kirchenkreises Siegen. Margrit Völzing, koordinierende Ärztin im Onkologischen Therapiezentrum des Diakonie Klinikums Jung-Stilling, hört von Patienten oft den Satz „Das kann ich noch alleine“. Dieses Befinden gilt es ernst zu nehmen und zuzulassen.

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